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Theater oder nicht Theater? (1/2)
Im Rahmen der Veranstaltung FaceArt konnte ich eine interessante Diskussion darüber führen, ob denn nun das, was Cloudtells macht wirklich Theater sei oder nicht. Die Nachfrage bei einem, der es wissen muss (Danke Philipp) bekräftigte die These, dass es nicht wirklich als Theater zu bezeichnen sei, sondern eher soetwas wie ein interaktives Theaterstück oder ein Rollenspiel. Als Argumente wurden angebracht, die nicht vorhandene Bühne, das Fehlen der Unwiederholbarkeit der einzelnen Aufführung oder die Notwendigkeit der Live-Komponente.
Nichtsdestotrotz möchte ich hier nun aufzeigen, in welcher Form all diese Kriterien beim Social Media Theater zu finden sind und warum es eben doch Theater zu nennen ist. Vorweggenommen sei die Anmerkung, dass dies lediglich meine persönliche, zugegebenermaßen gewagte, Meinung widerspiegelt und keine Anspruch auf Ausschließlichkeit erhebt. Also, Leute, widersprecht mir!
Wollen wir etwas einem abstrakten Begriff zuordnen, gilt es zunächst, diesen zu definieren. Auf der Suche nach Kriterien für Theater bin ich auf folgende Aspekte gestoßen:
- Schauspieler
- Publikum
- Bühne
- fixer Zeitpunkt
- Improvisation & Reproduktion
- Einzigartigkeit der Aufführung
Ergänzt wurden diese Punkte durch Kommunikation & Gedankenaustausch sowie Konfliktmanagement. Mit Theater ist hier ausdrücklich nicht das gedruckte Theaterstück gemeint sondern vielmehr der Prozess einer Theateraufführung.
An erster Stelle möchte ich die Kriterien Kommunikation & Gedankenaustausch sowie Konfliktmanagement abhaken. Diese sind Begriffe aus der Interaktion zwischen Menschen, welche unabhängig vom Medium in der digitalen Welt genauso stattfinden können, wie in der analogen. Allerdings nur, wenn die Interaktion nicht darauf beschränkt ist, linear zu sein. Es ist aber gerade das entscheidende Merkmal des Social Web, das Senden von Botschaften in zwei Richtungen zuzulassen.
Die Aspekte „Schauspieler“ und „Publikum“ stehen in einem Zusammenhang. Entscheidend ist hierbei das Bewusstsein der Mitglieder der beiden Gruppen, jeweils nur einer anzugehören. In der Soziologie unterscheidet man zwischen der Innen- und Außendarstellung. Ein Schauspieler nimmt auf der Bühne die Rolle einer Figur an. Er erschafft diese Figur gemäß einer literarischen Vorlage.
Das Social Media Theater macht etwas Vergleichbares, wenn auch in einer anderen Dimension. Zunächst müssen wir die digitale Identität von der analogen bzw. physischen Identität abkopplen. Eine digitale Identität kann mit einer physischen korrelieren, muss dies aber nicht. Wir nehmen uns die Freiheit, eine digitale Identität unabhängig von einem analog existierenden Gegenstück zu erschaffen. Wir erschaffen also, wie der Schauspieler im klassischen Theater, eine fiktive Figur. Da die Figur in ihrer virtuellen Form nur als solche existiert, stellt sich die Frage, ob sie sich ihrer Rolle bewusst ist nicht. Das Publikum aber, obwohl es mehr Handlungsfreiheit genießt als in einem Theatersaal, weiß um seine Rolle als Zuschauer.
Punkt drei, die Bühne: Die Unterschiede zwischen physischer und digitaler Identität wurden bereits aufgezeigt. Die Bühne ist nun nicht mehr als ein Raum, auf dem sich diese präsentieren können. Für die fleischliche Anwesenheit eines Schauspielers ist die Bühne sicherlich der geeignete Platz. Ein virtueller Charakter aber, bedarf seiner eigenen Wege, sich der Öffentlichkeit Preis zu geben. Namentlich: die Sozialen Netzwerke.
Lies hier den zweiten Teil des Beitrags.



















